Indira Mohini - Autorin Undercover


Reise in die Vergangenheit

Ich bin zwar noch nicht soooo alt und sitze auch nicht im Schaukelstuhl um meinen Enkeln wieder und wieder von den guten alten Zeiten zu erzählen, aber ich habe durchaus schon einiges erlebt.

Ein Brief hat mich gestern veranlasst, mir meine Studienzeit ins Gedächtnis zurück zu rufen.

Das erste Mal von zuhause weg.

Sich selbst versorgen, kochen, waschen, putzen.

Und dabei eine neue, fast grenzenlose Freiheit genießen.

Diese vier Jahre waren wie ein buntes Paralleluniversum für mich.

Als vorrangig (zumindest damals) hormongesteuertes Wesen war das Leben ein riesen großes Abenteuer. Eine Spielwiese, auf der ich unbefangen so manches Experiment gewagt habe, über das ich heute staune ... oder zumindest schmunzle.

Das Studim an sich lief bestens. Es war meine ganz eigene Wahl. Die Fächer interessierten mich. Ich lernte gern. Und im Gegensatz zum Gymnasium hatte ich gute Noten. Sehr gute Noten.

Abschluss mit 1,4.

Dann ging's zurück in die reale Welt. Und ich fand es genauso schmerzlich dieses Leben aufgeben zu müssen, wie nun vom Quell neuen Wissens abgschnitten zu sein.

 

Damals gab es kein Studium für kreatives Schreiben. Damals wäre ich wohl auch zu feige gewesen mich an der Uni Leipzig zu bewerben. Obwohl ...

Hin und wieder spiele ich mit dem Gedanken, es heute zu versuchen. Aber das Leben ist in Ketten gelegt, die schwer wiegen.

Klar könnte ich alles hinter mir lassen, wenn ich wollte. Aber will ich wirklich noch einmal büffeln, von Noten abhängig sein?
Hilft mir das Akademische Wissen beim Schreiben von Büchern?

Oder verhält es sich am Ende so wie nach meinem Studium, als ich bei meinem ersten Job erkannte, dass mein Wissen gut als Baisis ist, dass ich aber vom wirklichen Treiben in der Arbeitswelt keinen blassen Schimmer hatte.

Vielleicht sollte ich mal wieder ein Seminar besuchen, mich weiterbilden. Das stillt diese alte Sehnsucht vielleicht.

Leicht melancholische Grüße

Indi

27.6.08 09:07