Indira Mohini - Autorin Undercover


Verlagsgeburten - Tops und Flopps

Immer wieder höre und lese ich von veröffentlichungswütigen Nachwuchsautoren, dass sie da einen ganz tollen neuen Verlag entdeckt haben, der noch Autoren sucht.

Mag sein, dass ein junger Verlag tatsächlich noch Autoren sucht. Wenn es allerdings ein seriöser Verlag ist, dann sucht er nicht mittels Werbebanner auf seiner Homepage oder gar mittels Ausschreibung in einschlägigen Foren.

Woran kann man einen seriösen neunen Verlag erkennen?
(zusätzlich zu den Punkten, die ich schon in meinem Beitrag Ketzerei - was ist ein richtiger Verlag aufgezählt habe) 

Ganz einfach an seinem professionellen Verhalten.
Seriös ist ein Verlag, wenn er die Spielregeln der Branche kennt und sich nach ihnen richtet.

Und was heißt das bitteschön genau?

Ein seriöser Verlag plant sein Verlagsprogramm. Er bringt lieber gezielt nur 1-5 Titel zu den jeweiligen Programmterminen (Frühjahr/Herbst) heraus, statt kleckerweise immer mal das, was gerade hereinflattert. Denn das entspricht dem Arbeitsrhythmus des Buchhändlers.

Ein seriöser Verlag investiert sein Geld in Pressearbeit und Verlagsvertreter, um seinen Verlag bekannt zu machen, statt von den Autoren (die im Normalfall Marketing-Laien sind) zu verlangen, selbst für sich zu werben.

Ein seriöser Verlag läßt sich seinen Internet-Auftritt und seine Prospekte von einem Profi erstellen, statt dies als private Bastelarbeit in Eigenregie zu versuchen.

Ein seriöser Verlag weiß, dass seine Kunden die Buchhändler sind und nicht die Freunde und Familienmitglieder der Autoren.

Ein seriöser Verlag nimmt die Rabatt-Repressalien der einschlägigen Online-Buchportale als notwendiges Übel in Kauf, statt sich kurzerhand einen eigenen Shop zu baslten, weils ja billiger (aber eben nicht kundenorientiert!) ist.

Ein seriöser Verlag hat ein Verlagsprofil und wird nicht wahllos in jedem Genre einen Titel streuen.

Ein seriöser Verlag arbeitet mit Druckereien zusammen nicht mit 1-Klick-BOD-Dienstleistern.

 

Als Noname-Autor einen Vertrag bei einem neuen, gerade erst im Entstehen begriffenen Verlag zu bekommen ist im Grunde eher schwieriger als bei einem großen, etablierten Verlag.

Denn ein großer Verlag kann sich durchaus auch mal einen Flopp leisten. Ja, er kalkuliert Flopps sogar mit ein.

Bei einem jungen Verlag zehrt ein Flopp (der natürlich weit unter der Verkaufszahlengrenze eines großen Verlags angesiedelt ist) an der finanziellen Substanz.

Daher wird ein junger Verlag ein Manuskript dreimal mehr in den Händen drehen, bis er dem Autor einen Vertrag anbietet.

Ist doch logisch?

 

Alle anderen sogenannten Kleinverlage, die sich im Internet tummeln, mit mehr oder weniger greulichen Auftritten und Versprechungen, die mit Verträgen gleich im Doppelpack um sich werfen ... die sollte ein Autor, der das Schreiben nicht nur als spaßiges Hobby betrachtet, getrost links liegen lassen.


Aber das ist natürlich wieder nur meine ganz persönliche, rein subjektive Meinung.

Liebe Grüße
Indi

25.6.08 15:08