Indira Mohini - Autorin Undercover


Ketzerei - was ist ein richtiger Verlag?

Wie ihr an meiner (zugegebenermaßen noch kurzen) Linkliste erkennen könnt, bin ich Sympatisant des Fairlag Aktionsbündnisses für faire Verlage.

Das Ziel ist primär Aufklärung und das ist dringend nötig. Heutzutage fühlt sich offenbar jeder Dritte dazu berufen, zumindest ein Buch zu schreiben. Und selbstverständlich wird dieses eine Buch dann auch ein Bestseller (Vorsicht: beißende Ironie!).

Solche, sich selbst heillos überschätzende Leute, die selbstredend zu gut sind, um sich mit dem wahren Leben und der harten Arbeit der Literaturbranche auseinander zu setzten, sind meist leichte Beute für die Abzock-Maschienereie der DKZ-Verlage (= Druckkosten-Zuschusss-Verlage - das heißt, man zahlt die Produktion seiner Bücher selber!).

Verlag ist bei dieser Sorte Unternehmen sowieso irreführend. Denn im Grunde sind sie meist nichts anderes als ein Druckerei-Dienstleister ohne Anbindung an den Buchhändler-Vertrieb - ganz im Gegensatz zu einem richtigen Verlag.

Ja, ja man kann die Ware wohl auf Grund der ISBN bestellen, mit einer mehr oder weniger gruseligen Lieferzeit. Aber woher soll denn ein Käufer (wenn er denn solch ein Druckwerk wirklich haben will) von diesem Produkt wissen?

Die Regalplätze im Buchladen sind begrenzt. Da wird sehr genau überlegt und auf Qualität (Drucktechnisch, Lektoratstechnisch, Inhaltich) geschaut, bevor man dem Kunden etwas darbietet.

Nun gut ... macht euch selbst ein Bild. Das Aktionsbündnis ist unten rechts in der Spalte mit Logo verlinkt.

 

Aber was ist nun ein richtiger Verlag?

Hier beginnt die wahre Ketzterei - denn ich trete jetzt mit voller Überzeugung einigen ach so aufstrebenden NachwuchsautorInnen auf die Füße:

Ein richtiger Verlag sucht nicht lautstark nach Autoren.

Ein richtiger Verlag veranstaltet keine regelmäßigen Kurzgeschichten-Wettbewerbe, um sich dann von den an die Autoren verkauften Anthologien zu finanzieren.

Ein richtiger Verlag zahlt sowohl Vorschuss als auch Tantiemen.

Ein richtiger Verlag druckt Auflagen nicht unter einer vierstelligen Höhe.

Ein richtiger Verlag wird von Menschen geführt, die gute Bücher in einer guten Qualität auf dem Markt bringen wollen (und dabei etwas von Warenwirtschaftssystemen verstehen) und nicht von Autoren, die - weil sie vielleicht keinen anderen Verlag gefunden haben - ihre eigenen Werke jetzt selbst drucken wollen.

Ein richtiger Verlag hat Lektoren und Korrektoren, die das nicht nur hobbymäßig machen, sondern dafür ausgebildet sind.

Ein richtiger Verlag hat Illusstratoren und läßt sich die Cover nicht vom Autor mitliefern oder einen anderen Autor, der so gern malt, etwas beisteuern, weil es praktisch und billig ist.

Ein richtiger Verlag hat Verlagsvertreter, die zu den Buchhändlern reisen, um die jeweiligen Programme anzubieten.

Ein richtiger Verlag hat seine Bücher in den Buchläden liegen. Sein Sortiment kann in der Regel innerhalb von 24h bestellt werden und ist nicht nur im Internet (bei amazon und co.) kaufbar.

Ein richtiger Verlag hat eine professionell gestaltete Homepage, bei der man nicht Gefahr läuft Augenkrebs zu bekommen oder bei jedem zweiten Link auf den eigenen Web-Shop verlinkt wird.

Ein richtiger Verlag hat einen Stand auf den zwei großen deutschen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig.

Ein richtiger Verlag öffnet einem in der Regel die Türen zu weiteren Veröffentlichungen bei richtigen Verlagen.

 

Wer ernsthaft veröffentlichen und auch gelesen werden will, dem empfehle ich, sich mit seinem Handwerk und den Spielregeln der Branche intensiv auseinander zu setzen.

Bücher schreiben und drucken ist ein Geschäft. Es geht um Geld, um mehr oder weniger Ruhm, um Qualität und um Marketing.

Seinen Roman bei einem (möchtegern) Kleinverlag zu veröffentlichen schadet meist dem Ansehen des Autors oder bringt ihn zumindest keinen Schritt näher an einen richtigen Verlag. Warum also sein Manuskript verschwenden, statt weiter an sich zu arbeiten?

Wer das nicht einsehen will, sondern sich hinter Stichworten wie Muse, Kunst und Berufung versteckt, der mag sein Werk auf einem Sockel ausstellen und glücklich werden.

Aber das ist natürlich nur meine persönliche, rein subjektive Sicht der Dinge.

ketzerische Grüße
Indi

23.6.08 09:32