Indira Mohini - Autorin Undercover


Mein eigentliches Problem

Heute spüre ich es wieder einmal besonders schlimm - diesen juckenden Sirup in der Aura, der mich einerseits rastlos umher laufen läßt und andererseits in allen wichtigen Vorhaben lähmt.

Es ist die Warterei, die mich schier umbringt!

Aktuell warte ich auf zwei Verlagsrückmeldungen und einen bereits mündlich zugesagten Vertrag.

Zeit hat in der Bücherbranche eine ganz eigene Meßskala. Unter sechs Wochen braucht man sich in der Regel gar keine Hoffnung auf eine Antwort machen.
Der Agent - weil er gut und erfolgreich ist - ist ständig auf dem Sprung, gehetzt, mit den Gedanken bei tausend Dingen gleichzeitig. Dabei wünscht man sich als Autorin (=Egomanin) doch seine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Gut, okay, ich muss vielleicht einfach noch ein paar Bücher mehr schreiben und in den Bestsellerlisten noch ein paar Plätze höher klettern, um diesen Wunsch erfüllt zu bekommen. Das ändert aber nichts an diesem schrecklichen Gefühl - dieser ewigen Warterei.

Ihr denkt jetzt vielleicht: Was für eine Mimose! Soll sie doch in der Zwischenzeit einfach weiterschreiben.

Ja. Stimmt. Aber als Schriftstellerin bist du eben stark vom Feedback anderer abhängig. Nicht, dass ich es jedem recht machen will. Aber wenn der Agent dein MS nicht gut findet, kann er es dem Verlagslektor nicht mit der nötigen Leidenschaft verkaufen. Wenn der Lektor es nicht gut findet, kann er es den Vertretern nicht schmackhaft machen. Dann können die Vertreter nicht die Buchhändlern überzeugen und die wiederum nicht die Käufer.

Das Feedback der Leser ist ebenfalls ein wichtiger Faktor im Spiel um Verkaufszahlen. Mundpropaganda ist essenziell ... mehr noch als Lobpreisungen oder Verrisse in der Presse.

Was also kann ich tun?
Zähne zusammenbeißen und sich an den Stuhl fesseln, bis das Tagespensum geschafft ist. Nicht sehr nett, aber nötig, um voran zu kommen.

Liebe Grüße

Indira *die jetzt ihren Beißschutz aus der Schublade holt

19.6.08 09:56